"Nun, gegen Deine Träume werde ich wohl kaum etwas tun können. Für die bist Du selbst verantwortlich. Aber ich kann uns die Tiere vermutlich wirklich vom Hals halten..."
Langsam war Anaaq, während er gesprochen hatte, auf den Hammel zu gegangen. Dieser versperrte ihm den Weg und fixierte ihn. Der Haradan erwartete jeden Augenblick, dass die ganze Herde wieder zu blöken anfangen würde. Aber bevor dies passieren konnte hatte er den Hammel erreicht und sich zu ihm hinuntergebückt. Mit wenigen Handgriffen hatte er den Riemen der Glocke um den Hals des Hammels festgezogen und wartete auf das Ergebnis seines Tuns.
Noch während er darauf wartete stand er auf und blickte sich noch einmal zu Feredir um. "Jetzt wird sich zeigen, ob mein Einfall wirklich was taugt."
Anaaq warf noch einmal einen Blick auf den Hammel, der sich bisher nicht von der Stelle gerührt hatte. In dem Augenblick in dem das Tier sich rührte gab die Glocke einen ersten Klang von sich, der den Hammel zu irritieren schien. Zumindest schien das Schaf zu stutzen und drehte sich dann dem Rest der Herde zu bevor er sich umwandte und einige Schritte voranging. Aufmerksam beobachtete der Haradan, wie sich der Hammel voranbewegte und die restlichen Schafe wie an einer Schnur hinter sich her zu ziehen schien.
********************************************************************************* Das Öl des Armen brennt nicht, das Wasser des Reichen fängt Feuer. (Paschto)
"Der Einfall war wirklich großartig! Da gehen sie dahin und stürzen sich hoffentlich nicht in ihr Unglück... Was glaubst du, hätte Minalcar gesagt, wenn wir mit einer ganzen Herde Schafe im Schlepptau auf dem Hof eingetroffen wären!? Vermutlich hätte er uns augenblicklich einen Kopf kürzer gemacht."
Er grinste nun, noch immer lachend, dem Haradan entgegen. Dann nahmen sie ihren Weg wieder auf und erreichten nicht lange später endlich ebenfalls den kleinen, etwas herunter gekommenen, aber dennoch ansehnlichen Hof.
Feredir fragte nach Minalcar, bekam jedoch keine erschöpfende Antwort. Er wollte ihm die beiden toten Kundschafter melden, die er im Wald gefunden hatte. Doch als er endlich herausbekommen hatte, wo ihr Anführer steckte, erfuhr er, dass sich dieser zum Schlafen hingelegt hatte. Feredir seufzte. Keine guten Voraussetzungen, um solch eine Meldung zu machen.
Den Esel hatte er in der Nähe des Hauses angepflockt und wiederum in dessen Nähe, im Schutze eines Holzschobers richtete er nun sein Lager ein. Ein paar Hühner, die dort in der Sonne gedöst hatten, schreckten auf. Doch weiter geschah nichts.
Anaaq war zunächst seinen eigenen Weg gegangen, nachdem Feredir ihm für die Hilfe gedankt hatte und allmählich wurde es abend. An den Plünderungen hatte Feredir sich nicht beteiligt. Vermutlich wäre er dafür ohnehin zu spät dran gewesen. Aber als nun immer deutlicher der Geruch von frischem Ochsenfleisch die Luft eroberte, machte er sich wieder auf, um nach dessen Quelle zu suchen.
Feredirs Lachen wirkte erleichernd und steckte den Haradan für einen Augenblick an, bevor er wieder ernst wurde.
"Ich kann nicht sagen, was Minalcar zu einer Schafherde in unserem Schlepptau gesagt hätte. Aber ich hatte einfach keine Lust darauf hier den Viehtreiber zu spielen. Ob er uns deswegen gleich getötet hätte, nun...ich will es mir nicht ausmalen."
Nachdem sie den Hof erreicht hatten und Feredir sich mit dem Esel einen Platz für sein Nachtlager gesucht hatte, war Anaaq aufgebrochen um nach etwas zu suchen, das man als Sattel für das Tier würde verwenden konnte. Ein Zaumzeug in passender Größe war bald gefunden. Es gab nur eines in dieser Größe. Schwieriger war es schon etwas sattelähnliches zu finden. Der Haradan durchforschte den gesammten Stall und als er schon fast aufgeben wollte fand er einen flachen Packsattel. Diesen legte er in die Nähe der Stalltür während er noch weiter nach etwas suchte, das er als Polster verwenden konnte. In einem kleinen Nebengelass, das wohl als Futter- und Geschirrkammer gedient hatte fand er zwei grobe Decken, die er sich ebenfalls auflud.
Mit seiner Packlast machte er sich wieder auf den Weg zurück zu Feredirs Lagerplatz.
Erst anschließend würde er sich selbst einen Schlafplatz für die Nacht suchen. Wenn es nach ihm ginge, dann würde dieser in Feredirs Nähe liegen. Aber das würde sich zeigen. Als er Feredir nicht sofort fand legte er die Last in der Nähe des Esels ab und machte sich auf die Suche nach ihm. Auch dem Haradan war der Duft des gebratenen Ochsen nicht entgangen und so folgte er der Duftspur, welche ihn letztendlich wieder in die Nähe Feredirs brachte.
"Ich habe etwas gefunden, was Dir vielleicht helfen könnte. Ist zwar kein Reitsattel, aber immerhin ein flacher Packsattel, den Du mit ein paar Decken sicher irgendwie ein wenig bequemer machen kannst. Die Decken hab ich Dir dazu gelegt. Hattest Du schon Gelegenheit mit Minalcar zu reden?"
********************************************************************************* Das Öl des Armen brennt nicht, das Wasser des Reichen fängt Feuer. (Paschto)
"Nein, hatte ich noch nicht. Er schläft wohl. Aber ich denke, dass ihn der Geruch des Fleisches wohl auch eher früher als später wieder aus dem Haus locken wird. Wecken werd ich ihn jedenfalls nicht und wenn die Welt unterginge! Aber das mit dem Packsattel klingt gut! Hab Dank dafür! Der blanke Rücken dieses Viehs ist wirklich reichhaltig unbequem. Wo wirst du die Nacht zubringen? Ich hatte vor, ein kleines Feuer hinter dem Holzschober zu unterhalten und etwas abseits zu bleiben. Aber wenn du die Nachtruhe in der Nähe dieses Elben ebenso scheust, wie ich, dann habe ich sicher nichts dagegen, wenn du dich mir anschließen willst.
Ich schlafe ohnehin nicht gut unter freiem Himmel. ...aber das ist besser, als auf einem möglichen Lager im Haus sein Schicksal zu verschlafen und morgens festzustellen, dass man des Nachts von einer Elbeklinge gemeuchelt wurde. ...aus welchen Gründen auch immer."
Er hatte leise und nur zu Anaaq gesprochen. Der Mann hatte sich nun schon beinahe als so etwa wie ein Freund erwiesen, auch wenn Feredir niemals soweit ging, irgendjemanden als solchen zu bezeichnen. Das hatte er das letzte Mal in seiner Jugend getan. ...doch niemals wieder seit seiner Ächtung.
"Vermutlich ist es besser, wenn wir warten bis er von selbst herauskommt. Ich lege wirklich keinen gesteigerten Wert darauf näheren Kontakt mit seiner Klinge zu machen, wenn ich es vermeiden kann."
Den Dank Feredirs tat er mit einem Schulterzucken ab. Ich hatte gesagt, dass ich schauen werde, was sich machen lässt. Es ist auf jeden Fall besser, als dass Du zurückbleiben musst oder Minalcars Zorn auf Dich ziehst. Ich kenn Dich zuar immer noch nicht wirklich, aber in meinen Augen hast Du ein zu helles Köpfchen um es zu vergeuden." Als ihn der Andere auf das Nachlager ansprach neigte Anaaq kurz den Kopf. Wenn Du mir soweit vertrauen willst, dass Du Dein Nachtlager meiner Nähe anvertrauen möchtest, dann nehme ich das Angebot gern an. Und wenn ich ehrlich sein soll, dann ist mir alles lieber als vielleicht am Morgen feststellen zu müssen, dass die Klinge des Elben wieder einmal zu schnell war. Ein Platz im Haus wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Ich kann mit festen Häusern nicht sonderlich viel anfangen. Das geht wohl jedem so, der in einem Zelt groß geworden ist."
Abschätzend blickte er seinen Gesprächspartner an als dieser erwähnte nicht gern unter freiem Himmel zu schlafen. Was immer das bei Feredir bewirkte. Der Mann mochte seine Gründe haben, aber dennoch erschien ihm das Verhalten ein wenig seltsam. "Die Vorsicht gegenüber dem Elben scheint sehr tief in Dir zu sitzen, wenn Du einen Schlafplatz unter freiem Himmel einem Bett im Haus vorziehst. Lass uns die Nacht an einem gemeinsamen Feuer verbringen und gegenseitig unseren Schlaf schützen."
Auch wenn er Feredir immer noch nicht einschätzen konnte und dessen Verhalten ihn immer wieder überraschte, neigte der Haradan dennoch dazu dem Mann zu vertrauen. Zumindest mehr als so manch anderem aus dem Haufen. Seit er seinen Stamm verlassen hatte, hatte Anaaq nicht mehr viel Vertrauen zu anderen gefasst. Zu oft war er in der Vergangenheit schon betrogen worden. Und auch jetzt würde er weiter vorsichtig sein.
********************************************************************************* Das Öl des Armen brennt nicht, das Wasser des Reichen fängt Feuer. (Paschto)
Minalcar hatte jetzt wirklich Hunger und er war der Erste, der sich von dem gebratenen Ochsenfleisch eine tüchtige Scheibe abschnitt. Das Fleisch war einigermaßen zart. Minalcar salzte es nach und streute noch einige getrocknete Kräuter darüber. Im Haus gab es genug Gewürze. Er ließ sich den Braten munden und sein Blick wanderte beim Essen zu Feredir und Anaaq hinüber, die jetzt auch langsam herbeikamen. Vermutlich hatten sie ebenfalls Appetit bekommen. Minalcar behagte es nicht, dass der Haradan neuerdings so engen Kontakt mit dem schweigsamen Feredir pflegte. Er musste sich etwas überlegen, um die beiden auseinanderzubringen. Nach Möglichkeit ohne Waffen.
Minalcar zapfte sich nun auch einen Krug mit Met. Normalerweise nahm er wenig Alkohol zu sich, da er wachsam bleiben wollte. Aber zu dem leckeren Braten wollte er sich einmal diesen Luxus gönnen. Er erlaubte auch seinen Männern, sich jeweils einen Krug oder Becher Met aus dem Faß, welches in der Vorratskammer des Hauses gelagert hatte, zu nehmen.
"Unterschätze niemals einen Elben, Anaaq! Schon gar nicht einen, der von seinem eigenen Volk geächtet und verbannt wurde. Der Kerl hat eine dunkle Seele. Vermutlich viel finsterer, als du dir die finsterste Höhle in den Schattengebirgen vorzustellen vermagst. Er ist zwar der erste Verbannte, dem ich begegne. Doch seine Ausstrahlung manifestiert alle Warnungen, die ich je zu hören bekommen habe überdeutlich!" Feredirs ernster Blick galt ebenso auch als Warnung. Er wußte nicht, in wie weit der Haradan den Elben weiter einschätzen konnte, denn lediglich als ´schwer einzuschätzenden Kumpanen´. Sinthoras würde sich um nichts scheren! Ein Kerl wie er, der kannte keine Kameradschaft. Sein Leben war der Tod anderer...!
Feredir hatte nun Minalcar entdeckt. Die lautstarke Truppe, die sich um den Spieß über dem Feuer versammelt hatte, ließ ihrem Anführer den Vortritt beim Essen. Der Dúnadan warf Anaaq einen Blick zu, der seinen Unmut darüber enthielt, Minalcar sein Wissen um die gemeuchelten Kundschafter darlegen zu müssen.
Aber wenn er selbst etwas Vernünftiges essen wollte ... und es gab eigentlich nichts, was dagegen sprach ... dann musste er jedenfalls in die Richtung. "Ich werd mir was von dem Ochsenfleisch holen. ...und es ihm dann sagen. ... das mit den Kundschaftern. Der Elb ist offenbar nicht hier. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Aber es wäre mir lieber, der Kerl wäre nie aufgetaucht!"
Er ging hinüber, nahm sich vom Fleisch und ging dann umsichtig auf Minalcar zu. "Ist es in Ordnung, wenn ich mich zu dir setze? Es gibt da was, das ich dir sagen muss. Es geht um die Kundschafter von heute Mittag."
Minalcar hatte gerade seinen ersten Schluck Met genommen, als Feredir auf ihn zukam. Es passte ihm jetzt eigentlich gar nicht, dass Feredir ihm etwas über die vermissten Kundschafter erzählen wollte. Er hatte bereits eine düstere Ahnung, denn normalerweise hätten die zwei Männer längst zurück sein müssen. Allerdings waren ihm die beiden nicht ganz gleichgültig, daher beschloß er, Feredirs Bericht anzuhören.
"Setz dich ruhig her, mein Freund",meinte Minalcar schief lächelnd und machte eine einladende Handbewegung zu Feredir. "Was gibt es Neues über die Kundschafter?"
Er rückte ein wenig zur Seite, so dass Feredir Platz hatte, sich an das Feuer zu setzen, denn so langsam wurde es kühl.
Feredir nickte und setzte sich neben Minalcar. Nicht zu nah... doch auch nicht so weit weg, dass es auffällig gewesen wäre. Bevor er sich jedoch dem Essen widmete, erzählte er, was er wusste:
"Sie lagen ein wenig abseits des Weges. Aber die Spuren waren deutlich. Ebenso deutlich, wie die Pfeilschäfte mit der schwarzen Befiederung, die aus ihnen ragten. Dieser Elb ist verdammt gefährlich, Minalcar! Er bringt unsere eigenen Leute um! Vielleicht glaubst du mir jetzt!? Wie viele von uns werden morgen die Sonne wieder über diesem Land aufgehen sehen? Der Kerl kennt keine Loyalität! Er gehorcht lediglich sich selbst. Und wenn ihm danach ist, schneidet er uns allen die Hälse durch, bevor wir es merken! Verbannte sind unberechenbar!"
Obwohl Feredir wusste, dass er etwas essen sollte, fehlte ihm jeglicher Appetit. Trotzdem schnitt er nun ein Stück von seinem Fleischbatzen ab und begann, daran herum zu kauen.
Minalcar war nun der Appetit völlig vergangen. Er hatte es bereits irgendwie geahnt, dass der Elb mit dem Verschwinden der beiden Kundschafter zu tun haben konnte, hatte es aber nicht wahrhaben wollen. Es war von Anfang an riskant gewesen, diesem gefährlichen Wesen zwei Leute hinterherzuschicken, die ihm nicht gewachsen waren. MInalcar fragte sich im Stillen, wer diesem Elben überhaupt gewachsen war.
Ich wünschte, er würde wegbleiben. Es war ein Fehler, ihn mitzunehmen. Doch was hätte er gemacht, wenn ich es ihm verboten hätte, mitzukommen? Hätte er nicht gleich ein Blutbad angerichtet?
Minalcar fröstelte und er ließ das Stück Fleisch sinken, das noch an seinem Messer hing. Ihm war fast übel. Am Lagerfeuer hatten auch auch einige andere Männer gehört, was geschehen war. Sie blickten alle auf Minalcar und warteten auf eine Reaktion von ihm.
"Wahrscheinlich wird der spitzohrige Kerl bald wieder bei uns auftauchen", sagte er schließlich mit rauer Stimme. "Ich wußte, dass er gefährlich ist. Allerdings habe ich gehofft, er würde seine Mordlust für unsere Feinde aufsparen und nicht uns dezimieren. Es wäre wohl Selbstmord, ihn deswegen zur Rede zu stellen. Wir müssen künftig auf der Hut sein. Jeder von uns wird beim Schlafen immer eine Waffe griffbereit neben sich liegen haben. Kundschafter, die dem Kerl hinterherspionieren, wird es nicht mehr geben. Der Elb ist einfach zu gerissen für uns Menschen."
MInalcar hörte, wie die Männer leise raunten. Die Angst stand in ihren Augen. Jeder befürchtete, das nächste Opfer von Sinthoras zu sein. Aber Minalcar konnte jetzt keinen Rückzieher mehr machen. Er hatte "A" gesagt und musste nun auch "B" sagen.
Anaaq war Feredir gefolgt, als dieser zum Feuer hinüber ging um sich etwas zu essen zu holen. Das gebratene Fleisch duftete verführerisch und Minalcar schien den Männern gestattet zu haben sich zumindest ein wenig Met zu gönnen. Der Haradan hielt nicht viel von alkoholischen Getränken und allein das Wissen um den Elben, der wohl wahllos zu töten schien hielt ihn noch mehr davon ab sich etwas von dem Honiggebräu zu Gemüte zu führen.
Noch bevor sie Minalcar erreichten ging er auf Feredirs Worte ein. "Ich unterschätze normalerweise niemanden, den ich nicht kenne. Und dieser Elb hat mir innerhalb kürzester Zeit mehr als deutlich gezeigt, dass er mein größtes Misstrauen verdient. Was seine Abwesenheit angeht, so nehme ich sie im Augenblick erst einmal als gut für uns. Auch wenn es natürlich jederzeit sein könnte, dass er uns verrät. Ich werde auch weiterhin die Augen offenhalten. Und wenn das bedeuten sollte, dass ich diese Nacht kein Auge zumachen werde. Darauf kannst Du Dich verlassen."
Am Feuer nahm sich Anaaq eine gute Portion von dem Fleisch und würzte es mit seinem eigenen Vorrat an Kräutern und Würzgut, welches er in einem kleinen Beutel bei sich trug. Er würde sich von seinem Misstrauen auf keinen Fall den Braten entgehen lassen und irgendwann musste er ja schließlich etwas essen.
Während sich Feredir auf Minalcars Geheiß neben diesem niederließ hielt sich der Haradan ein wenig zurück und widmete sich seiner Mahlzeit. Auch ihr Anführer schien sich nach der Schilderung Feredirs der Gefahr noch bewusster zu werden. Zumindest zeigte seine Reaktion sehr deutlich, dass ihm das was er zu hören bekommen hatte mehr oder weniger den Appetit verdorben hatte. Und auch seine Worte waren mehr als deutlich.
Nun, wenigstens sind wir was die Gefährlichkeit dieses Spitzohrs angeht einer Meinung. Ist nur die Frage, wie wir den Kerl eventuell wieder loswerden können, ohne selbst als Opfer seiner Klinge zu enden. Vielleicht kommt irgendwann in der nächsten Zeit der Punkt an dem ich wieder meine eigenen Wege gehen sollte. Schweigend hatte er das Tuch, welches sonst sein Gesicht verhüllte herunter gezogen um bequem essen zu können, aber er saß so, dass sein Gesicht nicht vollends im Licht des Feuerscheins lag. All zu oft bekamen die anderen sein Gesicht nicht zu sehen und das war ihm auch lieber. Wer ihn nicht beschreiben konnte, konnte ihn auch an niemanden verraten. Obwohl sich Anaaq ziemlich sicher war, dass ein Nichtharadan sich so oder so mit einer Beschreibung schwer getan hätte. Vermutlich sahen für die Kerle alle Haradrim gleich aus. Auch wenn seine Laune im Augenblick nicht die beste war, konnte er sich jetzt doch ein kurzes Grinsen nicht verkneifen bevor er schweigend weiteraß.
********************************************************************************* Das Öl des Armen brennt nicht, das Wasser des Reichen fängt Feuer. (Paschto)
Auch Feredir konnte nun die Furcht in den Augen jener Kumpanen sehen, die in der Nähe mitgehört hatten. Andere horchten wiederum aufmerksam her, als Minalcar zu sprechen begann. Ein einzelner von ihnen sprang ungehalten auf, fluchte und hieb sein Messer in die Wand des nahe stehenden Stalles. "Den Kerl werd ich zur Rede stellen! Wir sind genug um gegen ihn anzugehen! Was glaubt der, wer er is!?"
Feredir seufzte innerlich leise. Der etwas schmale und nicht allzu groß geratene Mann war ihm schon früher aufgefallen. Er hatte einen stets listigen, fuchsigen Blick und einen starken rohirrischen Akzent. Überwiegend gab er sich mit diesem schweigsamen Riesen ab, der ausschließlich Rohirrisch sprach. ...und das wiederum fast ausschließlich mit dem Wortführer von eben.
Aber Feredir schwieg. Er hatte seine Meinung klar genug dargelegt. Und Schlaf würde kaum das sein, was ihn in dieser Nacht beehren würde. Er aß weiter an dem Fleisch und beobachtete die Reaktionen der Männer.
Marach, der ebenfalls mit am Lagerfeuer saß, sprang erregt auf, als er Minalcars Rede gehört hatte.
"Warum machen wir das Spitzohr nicht gleich kalt, Anführer?", rief er laut MInalcar zu und schüttelte seine Faust. "Bregolas und Naurion waren zwei gute Leute! Sie haben es verdient, gerächt zu werden."
_________________________________________ Der Chara für alle Fälle …
Ihr benötigt den Nebencharakter (NPC)? Wendet euch bitte an einen Mod.
MInalcar erhob sich jetzt und ging mit einem eisigen Gesichtsausdruck auf den aufgebrachten Marach zu.
"Das ist wirklich ein netter Einfall, Marach, wirklich",sagte er fast spöttisch. "Mir gefällt es auch nicht, dass der Elb Bregolas und Naurion einfach abgemurkst hat. Aber wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir den Elben versuchen zu töten. Er ist stärker als drei von uns zusammen. Viele von uns würde er mit in den Tod nehmen, und darauf habe ich keine Lust. Es muß eine andere Möglichkeit geben, ihn loszuwerden. Wenn jemand einen Vorschlag hat, dann nur zu!"
Bei seinen letzten Worten warf er dem Haradan, welcher essend am Lagerfeuer saß, einen herausfordernden Blick zu.
Ich bin mal gespannt, ob du jetzt sagst. Schließlich schwebt euch dein Leben in Gefahr, Südländer. Bisher hattest du immer ganz brauchbare Einfälle.
Es gab auch andere Wege, einen Feind um die Ecke zu bringen, als rohe Waffengewalt. Feredir erinnerte sich an den ein oder anderen Inhalt seiner Tasche und versuchte sich deren Wirkweisen auf Elben ins Gedächtnis zu rufen.
Scheinbar unbeteiligt und doch innerlich angespannt, beobachtete und horchte er weiter. Nun hatte Minalcar Anaaq im Visier...
Der schmächtige Rohir von eben hatte Marach noch augenblicklich zustimmen wollen, hatte jedoch noch rechtzeitig einen Rückzieher gemacht, bevor er sich genauso einen Raunzer von Minalcar zugezogen hätte. Doch Feredir sah es in seinen Augen blitzen als der Kerl nun Marachs Blick suchte. Der Rohir würde sich nicht so einfach fügen. Der Durst nach Rache stand deutlich in seinem Blick zu lesen.
Der Unmut der Männer war mehr als deutlich. Und auch wenn nur wenige ihm lauthals in Worten Luft machten konnte man ihn regelrecht spüren. Die ganze Zeit während er aß versuchte Anaaq zu einer Lösung zu kommen, wie man den Elben wenigstens davon abhalten könnte weiter die eigenen Leute abzuschlachten. Ihn davon abzuhalten, die Bewohner weiterer Höfe zu töten würde noch schwieriger werden.
Vor allem würde der Griff zur Waffe in diesem Fall keine Lösung darstellen. Selbst wenn sie sich alle zusammentäten wäre er ihnen vermutlich immer noch überlegen gewesen und es hätte weitere Opfer gegeben. Das alles gefiel dem Haradan nicht und ganz allmählich schmeckte ihm nichte einmal mehr das saftige Fleisch. Um den letzten Bissen hinunter zu spülen griff Anaaq nach seinem Wasserschlauch als sein Blick zu Minalcar hinüber ging.
Ihr Anführer blickte ihn unmissverständlich herausfordernd an und der Haradan erwiderte den Blick, ohne seinen Eigenen zu senken. ›Du erwartest wohl wieder mal eine Lösung von mir, wo Du selbst nicht mehr weiter weißt? Wenn ich wüsste, was wir tun können, dann hätte ich Dich längst zur Seite genommen...‹ Auch wenn er im Moment nicht so recht wusste, was sie mit dem Elben anfangen konnten um ihre Leben zu schützen stand er nun doch auf und trat zu Minalcar und Feredir.
Bevor er sich jedoch bei ihnen niederließ und mit gesenkter Stimme zu sprechen anfing, fixierte er den Anführer mit einem ernsten Blick. Noch hatte er sein Gesicht nicht wieder verhüllt. »Wenn Du mich jetzt um Rat fragst, dann muss ich Dich leider enttäuschen. Im Augenblick ist mir nur klar, dass wir dem Kerl nicht mit Waffengewalt entgegenkommen können. Was wir bräuchten wäre die Gewissheit, dass er strikten Befehlen folgt. Dann könntest Du ihn vielleicht zumindest davon abhalten weitere unnötige Tote zu verursachen...oder ihn zumindest dazu bringen unsere eigenen Männer am Leben zu lassen. Auch wenn ich mich nicht auf irgendwelche Zusagen von ihm verlassen würde.«
********************************************************************************* Das Öl des Armen brennt nicht, das Wasser des Reichen fängt Feuer. (Paschto)
Minalcar war enttäuscht, dass er von Anaaq keine Hilfe bekam. Die Sache mit dem Elben war zu einem fast unüberwindlichen Problem geworden. Der Anführer verwünschte die Stunde, in welcher ihm der Erstgeborene begegnet war.
›Warum mussten auch diese dummen Bauern aus Anthara gestern nacht auf der Hut sein. Vielleicht wäre das Spitzohr nie auf die andere Seite des Eruis gekommen.‹
Minalcar beobachtete mit verkniffenen Blick die Reaktionen seiner Männer. Während Feredir und Anaaq scheinbar gelassen blieben, gab es immer noch einige, die murrten. Besonders der Rohir hörte nicht auf, die anderen aufzuhetzen.
»Ruhe jetzt, verdammt noch mal!«, brüllte Minalcar und sprang auf den Rohir wütend zu. »Wenn du so erpicht darauf bist, Bregolas und Naurion zu rächen, kannst du das gerne tun, Nordmann. Aber ich bin mir sicher, dass das gefährliche Spitzohr eine halbe Portion wie dich mit zwei Fingern umstößt.«
Der Rohir setzte sich jetzt eingeschüchtert nieder und auch die anderen Männer wurden plötzlich ruhig. Sie wußten, dass Minalcar in gereizter Stimmung zu allem fähig war, sogar zu Mord.
»Ich schlage vor, dass wir uns bald aufs Ohr legen«, fuhr Minalcar immer noch gereizt fort. »Ich will morgen früh diesen unseligen Ort hier so so bald wie möglich verlassen. Marach wird als Wachposten eingeteilt. Um Mitternacht soll ihn Bryttar ablösen.«
Noran musste schwer an sich halten, Minalcar nicht aus blitzenden Augen anzufunkeln und ihn damit noch mehr zu reizen. Er schätzte ihn nicht... Bei weitem nicht! Aber dennoch war der erfahrene Rohir schlau genug, sich nicht mit dem unberechenbaren Mann anzulegen. Ebenso, wie er sich hüten würde, sich wissentlich den Unmut dieses Elben zu zuziehen.
Minalcar war nicht der erste Anführer dem er diente. Aber mit derart verkommenen Gestalten hatte er es früher nicht zu tun gehabt und erst jetzt wusste er allmählich zu schätzen, was er verloren hatte.
Er sah zu Fjord hinüber und fügte sich wortlos. Jedoch nicht ohne Widerwillen, den er umsichtigerweise jedoch nicht vor Minalcar zur Schau stellte. Sie sollten dringend zusehen, dass sie Land gewannen. Besser früher als später! Alles, was sie bisher hier miterlebt hatten, machte Noran mißtrauisch. Das hier war nicht wie sonst. Nicht wie bei der gut organisierte Söldnerbande, der er angehört hatte. ...und ebenso Fjord...
_________________________________________ Der Chara für alle Fälle …
Ihr benötigt den Nebencharakter (NPC)? Wendet euch bitte an einen Mod.
Minalcar warf dem schmalen Rohir noch einen letzten wütenden Blick zu. Er machte sein Messer, mit dem er das Ochsenfleisch geschnitten hatte, mit einigen Grasbüscheln sauber und steckte es wieder in den Gürtel.
»Ich gehe jetzt ins Haus und lege mich dort in eines der Betten«, kündigte er seinen Männern an. »Wer will, kann sich ja auch im Haus einen Platz zum Schlafen suchen. Ein Dach über dem Kopf ist jedenfalls mal eine hübsche Abwechslung zum Schlafen. Marach und Bryttar - passt bloß genau auf, nicht dass man morgen früh noch einige Leute abgemurkst findet.«
Er warf einen grimmigen Blick in die Runde am Lagerfeuer und trottete dann mit einer Fackel mürrisch zum Haus hinüber. Schließlich war es dort drin stockdunkel. Er ging in das Haus hinein und entzündete mit der Fackel eine Öllampe, die auf einem großen Tisch im Wohnraum stand. Anschließend machte er die Fackel aus und ging mit der Öllampe zu einer der Schlafkammern. Mit einem leisen Seufzen ließ er sich auf eines der Betten plumpsen. Es dauerte nicht lange, und er war eingeschlafen.
Trotz des offensichtlichen Unmutes einiger Männer schien Minalcar nicht gewillt sich den Schlaf nehmen zu lassen. Aber allein die Tatsache, dass er Marach und Bryttar zur Wache einteilte, zeigte Anaaq, dass ihm nicht daran gelegen war noch weitere Männer zu verlieren.
Allein die Art und Weise, wie er mit Noran umging und ihm klar zu machen versuchte, dass es schlichtweg Dummheit wäre die Toten rächen zu wollen war mehr als deutlich. Die verlorenen Späher reichten ihrem Anführer.
Der Haradan blickte ihrem Anführer hinterher, als dieser zum Haus ging und man kurz darauf einen Lichtschein in einen der Räume wandern sehen konnte.
›Und Du glaubst wirklich, dass Marach und Bryttar was machen könnten, wenn Dir dieser Elb an die Haut will? Also ich werd mich ganz bestimmt nicht auf die beiden verlassen. Aber vielleicht hilft es ja wenigstens ein wenig, wenn die anderen auch aufmerksamer als sonst sind.‹ Anaaqs Blick huschte zu Feredir hinüber, der die ganze Zeit geschwiegen hatte. Ob der andere auch der Meinung war, dass ein direkter Angriff auf den Elben reiner Selbstmord war? Nachdem er seinen letzten Bissen Fleisch verzehrt hatte, reinigte er sein Messer und steckte es fort, bevor er sich sein Turbanende wieder vor das Gesicht zog.
********************************************************************************* Das Öl des Armen brennt nicht, das Wasser des Reichen fängt Feuer. (Paschto)
Nachdem sich der Tumult um die Nachricht vom Tod der Kundschafter etwas gelegt hatte, Feredir noch eine Weile neben Minalcar ausgeharrt hatte und dabei sein Fleisch aufgegessen hatte, zog er sich vom Feuer zurück, um auf seinem Lager einer, mehr oder weniger, ruhigen Nacht entgegen zu gehen.
Wie erwartet, schaffte er es nicht auch nur ein Auge zu zu machen. Zu seiner Freude war aber auch der Esel aufmerksam und das erleichtete ihm die Wache.
Allerdings war bis zum Morgen von dem Elben weit und breit nichts zu sehen. Als das Morgengrauen herauf zog und ein angenehmes Wetter für den Tag versprach, rekelte er sich langsam wieder auf. Ein Busch fing seine Notdurft auf und mit dem heller werdenden Licht begann er, sich den Packsattel mit den Decken und den Zaum genauer anzusehen, den Anaaq aufgetrieben hatte.
Das Tier musste marschbereit sein, wenn die Gruppe aufbrach. Minalcar würde ohnehin wohl sicherlich nicht begeistert von seinem neuen ´Bandenmitglied´ sein. Da durfte es durch ihn nicht auch noch Verzögerungen geben. ...wobei Feredir die Dienste des Tieres nur für wenige Tage beanspruchen würde. Er würde froh sein, wieder auf eigenen Beinen stehen und gehen zu können. Was dann mit ihm geschehen würde, würde die Zeit zeigen.
Minalcar erwachte kurz nach Sonnenaufgang. Geschmeidig erhob er sich von dem ungewohnten Lager. Er hatte in dem Bett gut geschlafen.
Als er nach draußen trat, sah er, dass einige Männer der Bande ebenfalls bereits wach waren und sich ein Frühstück zubereiteten. Minalcar begab sich zu den Büschen, um dort seine Notdurft zu verrichten. Unterwegs fiel sein Blick auf Feredir, der gerade dabei war, einen Esel zu satteln. Minalcar hatte bereits am Abend zuvor das Grautier bei Feredir gesehen, hatte aber nichts dazu gesagt. Jetzt sah es aber so aus, als wolle der schweigsame Mann das Tier tatsächlich mitnehmen.
Minalcar ging ungehalten zu Feredir hinüber, der sich mit dem Sattel beschäftigte.
»Du hast doch nicht etwa vor, den Esel mitzunehmen?«, fuhr er Feredir sofort ruppig an. »Esel sind unberechenbare, störrische Tiere. Sein Geschrei ist meilenweit zu hören. Damit würde er auch uns verraten. Geht es deinem Bein wirklich so schlecht, dass du unbedingt ein Reittier brauchst?«
Die letzten Worte hatte er wieder etwas ruhiger ausgesprochen.
Feredir hatte Minalcar kommen sehen und machte sich auf alles gefasst. Vor allem behielt er den Esel gut am Zügel, denn wer konnte schon wissen, wie der auf das reagieren würde, was in der Miene des Anführers bereits abzulesen war.
Doch er hatte ja mit etwas ähnlichem gerechnet. Also blieb er ruhig.
"Esel brüllen überall. Auf jedem Gehöft und in jeder Siedlung. Auf meinen eigenen Beinen werde ich einen strammen Tagesmarsch nicht durchhalten. Mir tun jetzt noch die Achseln von gestern weh und dabei war´s da nur bis mittag. Ich hätte ein Pferd bevorzugt. Aber da wir nicht bis Anthara kamen ... ... und hier war der Elb zu voreilig. Wenn du drauf bestehst, werde ich das Tier hier lassen. Ich lege es nicht drauf an, Ärger mit dir haben zu wollen. Aber abhängig von dem, was du heute vor hast, besteht dann die Gefahr, dass ich euch verliere."
Feredir sah Minalcar ruhig an. Die Auswahl, die ihm blieb war nicht sehr groß. Entweder würde er Minalcar mit dem Esel folgen. ... oder zu Fuß die Gruppe verlieren. In dem Fall wäre es dann vermutlich besser, gleich mit dem Tier in eine ganz andere Richtung von hier fort zu kommen. Hier in der Nähe sollte er sich jedenfalls nicht alleine erwischen lassen. Von niemandem!
Minalcar hatte keine Lust und keine Zeit für lange Diskussionen wegen des Esels. Er wollte möglichst bald aufbrechen und den Ort des Überfalls hinter sich lassen. Außerdem hoffte er, den Elben auf diese Weise abzuhängen, auch wenn er nicht wirklich daran glaubte.
»Meinetwegen!«, knurrte er mürrisch. »Aber du wirst das Tier nur so lange reiten, wie es nötig ist. Dannach wirst du den Esel freilassen und in die Wildnis treiben. Und jetzt beeil' dich, denn wir wollen bald aufbrechen.«
Er ging rasch ins Gebüsch, um sich zu erleichtern, und lief dann zurück zu den anderen, die vor dem Bauernhaus herumlungerten. Wie es seine Gewohnheit war, klatschte er einige Male laut in die Hände, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
»Wir wollen bald aufbrechen, Leute!«, rief er den anderen zu. »Im Haus gibt es noch einige Vorräte, die wir mitnehmen können. Der Alkohol bleibt jedoch hier. Wehe, ich erwische unterwegs jemanden, der wieder getrunken hat. Wenn wir Glück haben, wird uns der Elb vielleicht gar nichit mehr finden.«
Langsam erhoben sich die Mitglieder der Schurkenbande und trotteten in das Haus, um sich dort nach Eßbarem umzusehen. Minalcar blieb mit verschränkten Armen draußen stehen. Er hatte bereits gestern seinen Vorratsbeutel gefüllt. Drinnen gab es ein Rumoren, da sich einige Männer um ein Stück geräucherten Speck stritten. Minalcar verdrehte genervt die Augen und ging ins Haus hinein, um die Streithähne zu trennen.